Der Iran hat’s so langsam mit allen ernstzunehmenden Ländern verschissen. Mal abgesehen von Europa, Russland und China, die stramm hinter ihm stehen…
Ich weiß nicht, wie’s Euch geht, aber ich kann die deutschen Medien fast flächendeckend nicht mehr ernst nehmen. Wie kann man so sehr an der Wirklichkeit vorbei berichten und „meinen“? Benzinpreis, Trump, Völkerrecht und seit dem ersten Kriegstag das Gemunkel „der Krieg dauert länger als geplant“. Nein! 4 bis 6 Wochen hat Trump gesagt. Ob der Krieg also länger als geplant dauert, wissen wir frühestens Mitte April. Und es ist nicht Mitte April! – Und er ist teuer. Ach! – Und wir wissen nicht, was Trump und Netanjahu vor haben. Ja: weil sie’s uns nicht sagen. Aus Gründen! – Und, Oh nein?, Trump und Netanjahu sind gar keine Menschenrechts-NGO! Die haben handfeste politische und strategische Interessen (z.B. so absurdes Zeug wie Sicherheit…)! Ja. Und trotzdem hilft es dem unterdrückten iranischen Volk, das explizit um Bomben auf Teheran bittet! – Und natürlich: der Krieg ist völkerrechtswidrig! Darauf reduziert sich die europäische Kritik! Seit 49 Jahren tolerieren wir, dass der Iran alles was an Rechten überhaupt denkbar ist – ja, auch das Völkerrecht! – mit Füßen tritt. Das hat hier nie jemanden groß gestört. Aber sobald die jüdische Weltverschwörung (aka USA und Israel) etwas unternimmt, dann wacht das moralische Bewusstsein in Europa plötzlich auf und weiß genau was Recht und Unrecht ist.
Neulich meinte eine SPD Außenpolitikerin, deren Namen ich verdrängt habe, im DLF zum Thema Iran-Krieg, das Völkerrecht stünde über allem. Aha. Also auch über den Menschenrechten? Also auch über den Machtverhältnissen und den Machtansprüchen, die sich über alle Rechte hinwegsetzen? Ausgerechnet das Völkerrecht, auf das sich eigentlich immer nur Terroristen und Diktatoren (und ihre useful idiots) berufen, wenn jemand sich erdreistet, sie zu bekämpfen? Wie kann man so dumm daherreden? Öffentlich?
Nachdem die UNO schon lange ein Witz ist, ist jetzt wohl die NATO dran? Europa macht deutlich: uns sind Terrorstaaten lieber als ein Krieg zusammen mit Trump. Na dann… Ja klar, rein theoretisch ist das kein Bündnisfall – aber da sind wir schon wieder im Lummerland der idealistischen Abstraktionsromantik. Und Trump, der in einem Maße unabstrakt ist, dass einem auch bisweilen flau wird, ist – auch wenn der Ton Europäischer Politiker das Gegenteil vermuten lässt – nicht auf Europa angewiesen. Das beruht aber definitiv nicht auf Gegenseitigkeit!
Europa stellt sich treffsicher mal wieder auf die falsche Seite der Geschichte, indem es fordert, dass Terrorstaaten erst dann bekämpft werden dürfen, wenn sie so mächtig sind, dass sie es sich erlauben können, die NATO anzugreifen. Oder mit UNO-Mandat… Genau mein Humor! Wir sitzen in unserem geschützten Raum und suhlen uns in unserer habituellen Kritik an Trump, den USA und Israel, die nichts anderes machen, als jenen geschützten Raum zu schützen, aus dem heraus wir unsere folgenlosen Bedenken formulieren. Und mit der Verteidigung der Straße von Hormus hat uns Trump sogar einen Anlass angeboten, auf der richtigen Seite zu stehen, ohne unsere abstrakten Rechtsprinzipien de jure zu verletzen. Aber nein, auch Mörder haben Rechte, das ist uns erstmal wichtiger…
Meine anthroposophische Tante hat in ihren letzten Jahren unseren Vorschlag, eine professionelle Pflegekraft einzustellen, mit dem Argument abgelehnt, die würde das nur wegen des Geldes machen und nicht aus Nächstenliebe. Tja. Dann eben nicht… Genauso wartet das moralische Europa auf den edlen Ritter reinen Herzens, der den Iran ausschließlich um der Menschenrechte Willen befreit, am besten von innen heraus. Solange das nicht der Fall ist, soll sich das iranische Volk gefälligst gedulden! Es sind ja erst 49 Jahre. Wir haben schließlich Prinzipien. Dass die Bundesrepublik nur deswegen existiert, weil die Alliierten nicht auf den moralisch einwandfreien Bündnisfall gewartet haben, ist natürlich historische Spitzfindigkeit. – Meine Tante hat es schließlich doch eingesehen und sich helfen lassen. Europa, fürchte ich, wird bis zur Selbstaufgabe durchhalten…
Ich bin weder Iran-Experte, Historiker oder Militärspezialist. Ich weiß nicht, ob dieser Krieg strategisch sinnvoll ist und niemand weiß, ob er erfolgreich sein wird. Aber er ist nach langen Jahren des organisierten Nichtstuns und dem historischen Versagen im Falle der Ukraine endlich ein schwaches Zeichen, dass die freie Welt neben so essentiellen Problemen wie der Anzahl sozialer Geschlechter und der Frage, ob in überdimensionalen Plastikverpackungen verpackte Waren in hauchdünnen Plastiktüten nach Hause transportiert werden dürfen oder nicht, grundsätzlich auch noch am Erhalt ihrer selbst interessiert ist. Nicht in Europa, aber immerhin in den USA und in einem kleinen standhaften freiheitlich-demokratischen Dorf mitten im islamistischen Sumpf. Ich bin wirklich kein Freund von Kriegen – wer ist das schon abgesehen von Putin und den Mullahs? – aber ich habe seit Januar jeden morgen noch vor dem ersten Kaffee auf Google nachgeschaut, ob Trump bzw. Israel endlich losgeschlagen haben!
Das macht bei allem Pessimismus doch noch Hoffnung. Aber Europa hat sich endgültig ins Abseits moralisiert und Russland wird wahrscheinlich anders als bei der Ukraine gar keine Waffen brauchen, um Europa zu annektieren. Schließlich sind wir Pazifisten und keine Kriegstreiber wie die separatistischen Ukrainer oder die kolonialistischen Israelis.
Ich lerne derweil Chinesisch. Bei allem was Recht ist, lebe ich dann doch lieber in einer technologisch hochgerüsteten staatskapitalistischen Luxusdiktatur als in einem suizidalen mittelalterlichen Todeskult, egal ob christlich-orthodox oder muslimisch geprägt.