„I’m not happy with the way Israel has handled themselves with Lebanon and with Hezbollah. They should have been able to do the job faster. It just goes on forever. And when that happens, it throws a negative light on the big deal, and that’s the deal with Iran.
(…)
I suggested to Israel to let Syria take care of Hezbollah,” Trump said. “Because to be honest with you, I think they’d do a better job of doing it.“
(Donald Trump, 16. Juni 2026)
Mein Fehler…
Ich gebe zu, ich habe mich geirrt! Ich habe Trump stets verteidigt, nicht gegen sachliche Kritik, für die es reichlich Anlässe gab, sondern gegen blinde antiamerikanistische Ressentiments, für die dieser seltsame Präsident ein gefundenes Fressen ist. Und gegen diese europäische Neurose verteidige ich ihn, vor allem aber die USA, auch weiterhin. Geirrt habe ich mich aber, weil ich glaubte, dass sich hinter seinen willkürlich und irrational wirkenden Vorstößen ein Konzept oder zumindest ein Wertesystem versteckt, das, so rechtskonservativ es auch sei, die freiheitlich-demokratischen Grundwerte verteidigt, auf denen die USA aufgebaut sind. Oder dass zumindest seine Minister und Berater über ein solches verfügen.
Israel fallen zu lassen ist dabei nicht der erste, sondern der letzte Beweis, dass diese Werte in der internationalen Politik des Westens, die, ob uns das gefällt oder nicht, von den USA dominiert wird, keine Rolle mehr spielen und dass sich insbesondere Trump einzig und allein seinem übersteigerten Narzissmus verpflichtet fühlt.
Damit ist Trump und sind die USA aber keineswegs allein. Die Aufgabe der Verteidigung westlicher Werte beginnt spätestens mit dem Arabischen Frühling, der vom Westen nur halbherzig unterstützt wurde, um die eigene Komfortzone zu wahren. Der damalige Präsident Obama verkündete in diesem Zusammenhang 2011 noch wortgewandt „Wir haben die Chance zu zeigen, dass Amerika die Würde eines Straßenverkäufers in Tunesien höher achtet als die rohe Macht des Diktators.“ um dann 2012 exakt nichts zu unternehmen, um die Straßenverkäufer in Syrien vor den Massenmorden des damaligen Diktators Assad zu schützen, obwohl mehrfach, auch hier wortgewandt, rote Linien gezogen wurden.
Syrien ist mittlerweile befreit von seinem Diktator – nicht weil der Westen eingegriffen hätte, sondern weil eine Horde Terroristen das System übernehmen konnten, da Russland mit der Ukraine zu beschäftigt war, um Assad weiter zu unterstützen. Und es sind exakt diese Terroristen, mit denen Trump sich jetzt verbal verbrüdert, um Israel gegen sie einzutauschen.
Israel hält er vor: „They should have been able to do the job faster.“ – Man braucht kein psychologisches Diplom um die Projektion in dieser Aussage zu erkennen – und „it throws a negative light on the big deal“ macht deutlich, worum es geht: um Trumps Ego. Während Israel aus bitterer 78 Jahre langer Erfahrung weiß, dass der massiven Aggressivität des islamistischen Imperialismus nicht mit ein paar Luftschlägen Herr zu werden ist, verkauft Trump seine Kapitulation als „big deal“, weil sein Selbstbild ihm gar keine andere Wahl lässt.
Wenn Israel fällt – und das ist nur eine Frage der Zeit, denn auch wenn Israel sowohl moralisch als auch militärisch hochgerüstet ist wie kein anderes Land, wird es ohne die Unterstützung des Westens langfristig nicht bestehen können gegen die islamistische Übermacht – dann fällt mit ihm das Projekt Demokratie und macht einem Autoritarismus den Weg frei, dessen Brutalität wir noch nicht einmal ermessen können.
Und statt wenigstens so zu tun, als wehre man sich gegen diese Zukunft, arbeitet Europa, insbesondere seine kulturelle Elite und die NGO-Industrie, fleißig mit und unterstützt die Vernichtung Israels mit einer Rekultivierung eines überwunden geglaubten Antisemitismus im neuen Schlauch der „Israel-Kritik“ und ist sich nicht zu schade, auch noch die dümmsten und verlogensten Ideologeme der islamistischen Propaganda und des Palästinensischen Hoax mit moralischer Inbrunst zu repetieren.
Exkurs: Der Palästinensische Hoax und westlichen Intellektuellen
Ich habe mich lange gefragt, was islamistische Terroristen und westliche Linksintellektuelle eigentlich verbindet, dass letztere derart unreflektiert bereit sind, sie zu verteidigen und sich mit ihnen moralisch oder gar strategisch zu verbünden. Denn das ist kein neues Phänomen: Nachdem schon die Nazis mit den Islamisten kuschelten – was weniger wundert – hat auch der linksextremistische Terrorismus der 70er Jahre enge Beziehungen gepflegt. Warum ist diese Tradition so nachhaltig dass eine breite Front des linken Spektrums dem antiisraelischen und erklärt antiwestlichen Projekt des Islamismus beispringt? Wo ist da die ideologische Schnittmenge?
Emanzipation und Frauenrechte werden es kaum sein. Die Verteidigung der Rechte von LGBTQIA+ scheidet auch eher aus. Die Präferenz für Theokratien ist wohl auch kein typisch linkes Projekt. Sind es Kinderehen oder das Patriarchat? Konservativismus, Antiszientismus oder ökonomisches Systemversagen? – Während letzteres vielleicht noch am ehesten den Nerv westlicher Kultur-Menschen treffen könnte, ist es etwas ganz anderes, von dem sie sich angezogen fühlen. Es ist die Legitimation von Gewalt durch die ungefragt übernommene Vertretung einer vermeintlich unterdrückten Gruppe. Dieses Motiv zieht sich durch die gesamte Geschichte des Marxismus, Leninismus, Stalinismus und ihren mehr oder weniger verdünnten politischen Schwester- und Tochterbewegungen. Die ungenötigte Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele ist eine Aufkündigung der Aufklärung und ihrer Verteidigung der Menschenwürde als Prinzip, das unhintergehbar ist und die Instrumentalisierung des Menschen zu welchem Ziel auch immer verbietet.
Es ist der palästinensische Hoax, das Narrativ des unterdrückten und betrogenen Volkes, das seit mehr als 80 Jahren nicht nur ideologisch sondern auch institutionell in industriellem Ausmaß kultiviert wird, das bei westlichen Intellektuellen auf fruchtbaren Boden fällt und das ihnen das Gefühl gibt, endlich wieder für Gerechtigkeit und gegen das Establishment in den Kampf ziehen zu können – wenn auch nur mit Spruchbändern auf der Straße. Außer ein paar Juden verprügeln oder jüdische Läden zu demolieren will man sich dann schon nicht zu sehr aus der Komfort-Zone bewegen, die einem der imperialistische und kapitalistische Westen beschert. Dabei merken sie aber nicht, dass sie damit nicht nur ein demokratisches Land diffamieren, das um seine Existenz kämpft, sondern dass sie eine Bewegung unterstützten, die ganz abgesehen davon, dass sie westliche Werte und kapitalistischen Komfort ablehnt, auch in so gut wie keinem politischen Ziel mit ihnen übereinstimmt. Das ist dumm und fahrlässig zugleich.
Und Europa?
Europa schläft weiter, beschäftigt sich im besten Fall, d.h. wenn es nicht ohnehin aktiv am islamistischen Projekt mitarbeitet, mit Sternchen in Wörtern und rettet das Klima mit Strohalmen. Ehrenwert, aber nicht ausreichend, wenn ein Konglomerat aus islamistischen Terroristen, mittelalterverliebten russischen Despoten und schwer einzuschätzenden chinesischen Wirtschaftsimperialisten die eigene Existenz und die mühsam errungene gesellschaftspolitische Verfassung bedroht.
Die Ukraine kämpft seit Jahren um’s Überleben gegen einen völlig entgrenzten russischen Imperialismus. Der Westen unterstützt die Ukraine moralisch, hält sich aber de facto stets soweit zurück, dass Russland frei agieren kann. Vom Schutz des „ukrainischen Straßenverkäufers“ sind wir meilenweit entfernt.
In Afghanistan morden die Taliban jeden regimekritisch riechenden Menschen, der ihnen vor die Nase kommt. Der Westen hat sich zurückgezogen. Verteidigung der westlichen Werte: gescheitert.
In Syrien, wie erwähnt, regiert offiziell eine Terrororganisation die hofiert wird, nur weil sie vielleicht ein Hauch weniger aggressiv ist, als Assad. Noch.
Im Iran werden jetzt Regimekritiker, Homosexuelle und unvermummte Frauen nicht mehr einfach so, sondern auf Basis eines bilateralen Abkommens mit den USA reihenweise ermordet. Und die Vernichtung Israels hat vielleicht etwas Aufschub erfahren, weil zuerst neue Bomben angefertigt werden müssen, aber das Ziel steht nicht in Frage.
Taiwan – noch ist es frei – interessiert keine Sau in Europa und Trump hat deutlich gemacht, dass es für die USA bestenfalls Deko ist, wenn ökonomische Interessen ins Spiel kommen. Wir leben ja schon seit 50 Jahren ganz gemütlich mit der Tatsache, dass eine chinesische Diktatur ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat hat, während der verbliebene (wieder) demokratische Rest Chinas weder bilateral anerkannt wird noch einen Sitz in der Vollversammlung hat. Westliche Werte? Verkauft an den Höchstbietenden.
Von all den anderen Krisenherden, die sowieso im Geschrei untergehen, solange man Israel für irgendetwas anklagen kann, ganz zu schweigen. Nord-Korea, Myanmar, Eritrea, Turkmenistan… Interessiert niemanden.
Und jetzt Israel. Zum Abschuss freigegeben.
Das Projekt Westen, das Projekt Demokratie, das Projekt Freiheit, das Projekt Menschenrechte, das Projekt Frieden – noch merken wir es nicht physisch, aber sie sind bereits gescheitert. Zerschellt an Selbstgerechtigkeit, ideologischer Verblendung, historischer Unbildung und politischer Bequemlichkeit. Und das sage ich als eingefleischter Optimist!