Category Archives: Gesellschaft

Schule zum heulen!

Es kommt bisweilen vor, dass einem die Lektüre eines richtig guten Romans oder einer schönen Novelle die Tränen in die Augen treibt. Aber bei einem Sachbuch? Ich glaube das ist mir noch nie passiert. Bis ich das Buch „Endlich frei“ gelesen habe. Nein, es ist kein Erweckungsbuch, kein spiritueller Berater und auch keine Anleitung, wie ich meinen Keller aufräume. Es erzählt vielmehr von einer Vision. Von der Vision einer Schule, die Kinder in völliger Freiwilligkeit erzieht. Das Buch breitet keine Theorien und pädagogischen Konzepte aus. Es schildert vielmehr ganz konkret den Alltag dieser visionären Schule. Wie die Schüler lernen, was sie machen, wie Entscheidungen getroffen werden, was aus den Schülern nach der Schulzeit wird, wie die Mitarbeiter arbeiten und welche Aufgaben sie haben.

Zugrunde liegt der Vision die Idee, dass Kinder freiwillig lernen, wenn man sie lässt. Und sie zu lassen heißt in dieser Schule, dass kein Kind zu irgend etwas gezwungen wird. Jedes Kind lernt was es will, wann es will und wie es will. Es gibt keine Schulstunden, keine Klassenzimmer, keine Pausen und keine Noten. Die Lehrer, die sich Mitarbeiter nennen, helfen den Kindern nur, wenn diese das ausdrücklich wünschen. Sie vereinbaren mit den Kindern die Modalitäten des Unterrichts und fordern dann auch Verbindlichkeit – pünktliche Teilnahme, Arbeitspensum etc. Aber es steht den Kindern frei, diese Modalitäten zu akzeptieren oder nicht. Sie sind nicht gezwungen, mitzumachen. Aber nicht nur das Lernen, auch die Verwaltung der Schule und der Schulgemeinschaft findet nicht über die Köpfe der Kinder hinweg, sondern gemeinsam mit diesen. Alle wichtigen Entscheidungen werden von einer Vollversammlung beschlossen, an denen jedes Schulmitglied, d.h. jeder Mitarbeiter und jeder Schüler teilnehmen kann und je eine Stimme hat. Die Mehrheit entscheidet. Für bestimmte Aufgaben – z.B. die Verwaltung der Bibliothek – werden Kommissionen oder Verantwortliche auf Zeit gewählt. Auch Schüler wohlgemerkt, nicht nur Mitarbeiter. Dabei wird dem Grundsatz gefolgt, so wenig wie möglich zu regeln und so wenig Kommissionen wie möglich abzustellen. Was sich von allein regelt, soll sich von allein regeln. Und schließlich gibt es noch eine Justizkommission, die im Rotationsverfahren besetzt wird – mit Schülern und Mitarbeitern – und die im Streitfall und bei Regelverletzungen zu schlichten und zu sanktionieren hat.

Das sind die Rahmenbedingungen. Spannend ist das Buch aber dort, wo beschrieben wird, wie die einzelnen Schüler mit diesem System umgehen und was erstaunliches dort alles möglich ist. Da gibt es tatsächlich Schüler, die ihre ganze Zeit darauf verwenden, zu Angeln. Oder die sich eine Dunkelkammer einrichten und sogar bei einem externen Fotolabor eine Ausbildung machen. Es gibt Schüler, die Mitarbeiter damit beauftragen, ihnen die Algebra beizubringen und die dies in wenigen Monaten mit enormem Fleiß bewerkstelligen. Freiwillig wohlgemerkt. Es gibt auch Schüler, die aus konventionellen Schulen wechseln, weil sie dort „auffällig“ wurden. Sie sitzen tatsächlich fast ein ganzes Jahr da und tun nichts. Und niemand kümmert es. Sie werden beobachtet, sie werden in die Gemeinschaft aufgenommen, aber sie werden weder gezwungen noch gedrängt noch auf subtile Weise verführt, doch endlich etwas zu tun. Man wartet, nicht ohne Furcht aber mit Überzeugung. Und irgendwann wird auch diesen Schülern das Nichtstun zu öde und sie beginnen etwas zu tun. Und sei es nur, auf der Wiese beim Baseball mitzuspielen. Den Anfang dieser erstaunlichen Geschichten macht eine Schülerin, die bereits die Schule verlassen hat und nun versucht, ohne Zeugnis, ohne Beurteilung sich an einer Hochschule zu bewerben. Und nicht irgendeine, sie will auf eine ganz bestimmte. Natürlich scheitert sie zunächst an den fehlenden Formalien. Aber sie gibt nicht auf, sie fragt sich durch, sie redet mit den Professoren, sie präsentiert sich, sie begründet ihre fehlenden Unterlagen, sie berichtet von ihrer Schule. Sie ist es nämlich gewohnt, Eigeninitiative zu entwickeln. Nichts anderes hat sie ihre gesamte Schulzeit gemacht. Und sie überzeugt die Hochschule schließlich und legt ein erfolgreiches Studium ab.

Die Lektüre des Buches hat mir das Leben und die Atmosphäre an einer solchen Schule so plastisch vor Augen geführt, dass es mir vorkommt, als wäre ich selbst dort gewesen und hätte mit eigenen Augen gesehen, wie Schüler den ganzen Tag tun, was sie wollen und dabei nicht nur alles lernen, was sie für ihr Leben brauchen, sondern vor allen Dingen den Weg in dieses ganz individuelle Leben finden, weil niemand ihnen etwas aufzwingt, weil sie frei sind, ihren Neigungen und Fähigkeiten zu folgen, weil sie Selbstbestimmung lernen und ganz besonders weil sie von Kindesbeinen an als Personen mit eigenem Denken und Wollen ernst genommen werden. Ich war beim Lesen dieses Buches wie in Trance, weil es das Bild einer Schule vor mich hinstellte, das ich in dieser konkreten und radikalen Form selbst zwar noch nie formuliert hatte, das aber in allen Details auf geradezu magische Weise all der Kritik, die ich an dem habe, was ich als Schule kenne, eine positive Auflösung gegenüber stellte. Diese Schule, die manchem Leser wahrscheinlich endlos weltfremd und extremistisch erscheinen mag, hat meine Überzeugungen im innersten getroffen und ich bin seither wie erlöst, weil ich weiß, dass ich mit meinen bis dahin durchaus vagen Ideen nicht allein bin.

Denn das erstaunlichste an diesem Buch verrate ich zuletzt: diese Vision einer freien Schule, die auf uns, die wir das preussische Schulwesen im Blut haben, wie eine wahnwitzige Spinnerei wirken mag, lebt nicht nur in den Köpfen von ein paar durchgeknallten Freiheitsfetischisten wie mir, sondern sie existiert wirklich. Und zwar schon seit 44 Jahren! 1968 wurde die erste Sudbury Valley School in Framingham im Staate Massachusetts (USA) gegründet und sie wirft seither jedes Jahr gesunde, durchschnittlich erfolgreiche Schüler in die Welt. Ohne sie zu irgend etwas gezwungen zu haben. Ist das wirklich wahr? Offenbar ja. Ich hätte es auch nicht geglaubt, hätte ich es nicht selbst gelesen. Lesen auch Sie es und überzeugen Sie sich, dass es seit 44 Jahren eine und mittlerweile mehrere Schulen gibt, die alle traditionellen und für unantastbar gehaltenen Prinzipien des Lernens und der Schulpädagogik Lügen strafen!

Daniel Greenberg: Endlich frei!: Leben und Lernen an der Sudbury Valley Schule, Arbor-Verlag 2004

Website der Schule: www.sudval.org

Freie Gesellschaft

Wenn ich von den Vorzügen einer freien Gesellschaft ohne Staat schwärme, werde ich gerne gefragt, wie ich mir das vorstelle, wie das funktionieren soll? Wie soll beispielsweise der freie Markt den sozialen Wohnungsbau organisieren? Wer kümmert sich um die Straßen? Wer schützt uns vor Räubern? Wer hilft den Armen? Und überhaupt: freie Gesellschaft? Wie soll man das durchsetzten ohne Staat?

In der Tat fällt es schwer, auf diese Fragen konkret zu antworten. Meist bleibt nicht mehr als der allgemeine Verweis auf die selbstorganisierenden Mechanismen einer freien Gesellschaft. Denn die Fragen selbst sind schon falsch gestellt. Es ist ein wesentliches Merkmal der Freiheit, das Gegenteil von Determiniertheit zu sein. Eine freie Gesellschaft lebt von der unendlichen Vielfalt an Methoden und Lösungen, die der freie menschliche Geist entwickelt. Demzufolge ist auch ihre Form nicht determiniert und daher nicht planbar, nicht im Voraus festlegbar. Es sind Bedingungen formulierbar, die aber sämtlich negativ sind, d.h. die nicht beschreiben, was sein muss, sondern was nicht sein soll: nämlich Zwang und Herrschaft. Unsere sogenannte Konsumgesellschaft mag sich überflüssigen Dingen widmen, aber sie hat bewiesen, dass der freie Geist im freien Markt, angetrieben von Eigennutz, zu erstaunlicher Kreativität fähig ist.  Diese unplanbare Kreativität zu entfesseln, statt sich aus Furcht vor dem Unbekannten auf die wenigen planbaren Rezepte zu verlassen, die in einem staatlichen Verwaltungsapparat durchführbar sind, ist die Strategie der freien Gesellschaft.
Freiheit lässt sich nicht organisieren. Eine freie Gesellschaft ist kein System, sondern das Vertrauen in das Individuum, in Freiheit und durchaus im Eigeninteresse in soziale Interaktion zu treten. Die Frage kann also nicht sein: wie organisieren wir Freiheit, wie etablieren wir das freiheitliche System – ein solches kann es gar nicht geben – sondern nur: Wie befreien wir uns aus der Unfreiheit? Und im konkreten Fall: Wie können wir dafür sorgen, dass die Lösung unserer Probleme zunehmend der Kreativität der Selbstorganisation im freien Wettbewerb sozial interagierender Individuen überlassen werden. Mehr Freiheit heißt, Zwang abzubauen. Das geht schlechterdings nicht durch (staatlichen) Zwang, sondern nur durch Freiheit. Gefragt ist also kein raffiniertes, allgemein gültiges Rezept für die Organisation des Wohnungsmarktes, sondern die Aktivierung der Selbstregulationskräfte des Marktes, die Nutzung individueller und kontextbezogener Kreativität, das Vertrauen darauf, dass jeder soziale Organismus aus denkenden, fühlenden und interagierenden Egoisten besteht und nur bestehen kann. Und trotzdem, nein, gerade deswegen im Ergebnis und im großen und ganzen sozial ist. Zumindest nicht unsozialer als ein solcher, der unter dem Zwang einer Elite steht, die sich von eben den selben Egoisten wählen lässt.
Die freie Gesellschaft kann niemals mit dem und durch den Staat oder eine vergleichbare, auf Allgemeinverbindlichkeit und Zwang basierende Organisation etabliert werden. Sie ist vielmehr die Befreiung von Zwangsorganisationen. Sie ist nicht die Veränderung des Staates, ob nach links oder rechts, progressiv oder konservativ, totalitär oder liberal. Die freie Gesellschaft ist die Emanzipation vom Staat!Danach zu fragen, wie dies und das in einer freien Gesellschaft ohne Staat geregelt werden sollte, ist so als würden zwei Strafgefangene einen Ausbruch planen und der eine fragt plötzlich: ja aber wie soll das funktionieren ohne Gefängnis? Wer kocht das Essen? Woher wissen wir, wann geduscht wird? Wer schließt am Abend die Zellen ab?Wir tragen unser Gefängnis im Kopf, weil wir nicht in der Lage sind, uns vorzustellen, dass ein beliebiges Problem ohne eine einheitliche staatliche Zwangsverordnung zu lösen sei, obwohl genau dies im Alltag ständig und direkt vor unserer Nase passiert. Allein die Beobachtung des Straßenverkehrs beweist, dass freie Individuen zu spontaner sozialer Selbstorganisation fähig sind. Denn es behaupte bloß niemand, es sei die Straßenverkehrsordnung und nicht das ganz eigennützige Interesse an einer unfallfreien Fahrt, das uns zu dieser Meisterleistung an komplexer sozialer Interaktion antreibt!

Die Wende in der Wende

Für den 3. Oktober hat der Staat die Einheitsfeier angeordnet. Ich persönlich verbinde die Wende einschließlich Wiedervereinigung mit dem 9. November: vor 23 Jahren hat sich ein Volk aus eigener Kraft und zudem friedlich aus seinem politischen Herrschaftssystem befreit. Selbstverständlich kann kein Staat und keine Regierung diesen Tag zum Feiertag erheben, denn das Herrschaftssystem würde damit seine eigene Negation feiern! Erst am 3. Oktober 1990 wurde die Revolution des Volkes wieder in ein neues Herrschaftssystem kanalisiert und in der Demokratie zur Ruhe gebettet. Ein neuer und letztlich stärkerer Staat war gegründet und damit Anlass für einen staatlichen Gedenktag gegeben. Hätte unsere deutsche Gesellschaft den Freiheitsimpuls der Wende nicht völlig unter der Einheitsrhetorik und seiner angeborenen Obrigkeitshörigkeit begraben, hätte sie sich nicht von den Politikern die Wende-Parole „Wir sind das Volk!“ klauen und als „Wir sind ein Volk“ missbrauchen lassen, hätte die politische Idee der Freiheit hier wirklich ein Zuhause, dann würden wir den 9. November feiern und nicht den dritten Oktober. Ich jedenfalls nehme mir die Freiheit und gedenke heute!

Wind of Change

Das vollmundige Wahlmotto von Obama ist längst zu einem verlegenen Hüsteln erstickt. Nicht nur die US-Regierung, der gesamte demokratische Westen steht dieser Tage wie paralysiert vor der Wucht des Freiheitskampfes in den arabischen Ländern und schafft es nicht, sich aus den scheinbaren Zwängen der vielen langjährig gehegten und gepflegten Arrangements mit Monarchen, Diktatoren und Wahnsinnigen zu befreien und Solidarität mit denjenigen zu zeigen, die für die existenziellste politische Idee kämpfen: für die Freiheit.

Als die USA in den Irak einmarschiert sind, hat sich die europäische Friedensbewegung auf die Seite eines mordenden Diktators geschlagen und sich darauf beschränkt, den USA unlautere Motive vorzuwerfen. Dass nicht nur der Schutz der Freiheit im eigenen Land, sondern auch die Befreiung der irakischen Bevölkerung von diesem Monster trotz all der diplomatischen und politischen Manipulationen die grundlegende Motivation für den Überfall des Iraks gewesen sein könnte, ignoriert der durchschnittliche Pazifist geflissentlich. Und auch jetzt, wo in der arabischen Welt das Volk auf der Straße ist und nach Freiheit ruft, ganz ohne vermeintlichen imperialistischen Zwang, schweigt das pazifistische Europa. Keine Solidaritätsbekundungen sind zu hören, kein Mitleid mit den unschuldigen Opfern. Wir haben vielmehr Zeit, uns über die fragwürdige Dissertation unseres Verteidigungsministers zu echauffieren.

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Offener Brief an den Außenminister

Sehr geehrter Herr Außenminister,
lieber Guido Westerwelle,

mit großer Sorge beobachte ich Ihre und damit die Haltung der Bundesrepublik Deutschland zu den Protesten in Ägypten. Zum ersten Mal seit 60 Jahren zeichnet sich eine Chance auf eine nachhaltige Bewegung in der Nahostproblematik, zum ersten Mal brechen für unbeugsam gehaltene islamistische Strukturen auf. Und was macht die Bundesregierung, wie verhält sich der angeblich liberale Außenminister? Sie ziehen sich auf eine formale Rechtfertigung einer Nichteinmischung zurück, die nicht nur Angesichts völlig konträrer Strategien im Irak, in Afghanistan und anderen Krisen absolut unglaubwürdig ist, sondern mit der Sie sich gleichwohl in erheblichem Maße einmischen: Sie unterstützen damit ohne Not das Regime eines Diktators, der seine Bürger auf der Straße ermorden lässt, der ihnen das Recht auf Meinungsfreiheit raubt und der einen demokratischen Prozess mit Gewalt verhindert. Statt das Ägyptische Volk mit Solidarität zu stützen und Deutschland klar auf die Seite der Freiheit zu positionieren, stehlen Sie sich mit feigen diplomatischen Ausreden aus der Verantwortung. Ich habe die FDP nicht gewählt, um von einem Außenminister repräsentiert zu werden, der islamistische Unterdrückungsregime unterstützt. Wenn diplomatisches Geschick mangels Alternativen eine formale Kooperation fordern, mag dies als Mittel zum Zweck legitim sein. Wenn aber die ägyptischen Bürger unter Einsatz ihres Lebens die Freiheit suchen und das Regime von innen nachhaltig in Bedrängnis bringen, dann ist es die Pflicht eines demokratischen Landes, diese Bewegung mit allen Kräften zu unterstützen, statt sie aus dem diplomatischen Hinterhalt in Gefahr zu bringen. Ich schäme mich dafür, Bürger eines Landes zu sein, das seine eigenen Prinzipien und Werte an einem seit 30 Jahren in Unterdrückung lebenden Volk verrät.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Christian Grauer

Satire als Volksaufklärung

Es gibt eigentlich nichts dazu zu sagen. Es ist einfach genau richtig. Schade nur, dass der Sendeplatz am Arsch der Welt liegt. Liefe die Deutschlandsafari am Samstag um 20:15 müsste ich als erbitterter Staatsfernseh-Gegner und GEZ-Basher fast einsehen, dass die ARD einen volkspädagogischen Auftrag erfüllt…

Hier also eingebettet oder direkt bei Youtube die bislang ausgestrahlten Folgen der Deutschlandsafari mit Henryk M. Broder und Hamad Abdel-Samadi:

» Playlist auf Youtube öffnen

Offener Brief an die IHK Stuttgart

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Unternehmer in Stuttgart und bezahle seit 1999 regelmäßig und zwangsweise einen Beitrag an die IHK. Ich darf daher erwarten, dass die IHK als Branchenverband nicht nur meine unternehmerischen, sondern auch meine politischen Interessen vertritt, soweit sie sich politisch äußert. Dass die Mitglieder der IHK heterogene politischen Interessen haben ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich muss es dann sein, dass die IHK als Verband, diese Interessen ebenso heterogen vertritt oder sich politischen insgesamt neutral verhält. Immerhin ist die Mitgliedschaft keine freiwillige sondern der Unternehmer wird per Gesetz dazu gezwungen.

Das Projekt Stuttgart 21 stößt nicht nur bei mir sondern bei einer ganzen Anzahl von Unternehmern auf Skepsis, insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmern. Allein in meinem Freundeskreis finden sich eine ganze Reihe Unternehmer, die sich, wie ich, an den Protesten beteiligen. Und gerade die Vertretung der kleinen und mittelständischen Unternehmen wird von Ihnen und den verantwortlichen Politikern immer wieder als Rechtfertigung der Notwendigkeit eines Zwangsverbandes, wie die IHK ihn darstellt, vorgebracht.Leider sehe ich mich aber in dieser Frage von Ihnen überhaupt nicht vertreten. Im Gegenteil stellt sich die IHK mittlerweile landesweit klar und deutlich und insbesondere parteiisch auf die Seite der Stuttgart 21 Befürworter und erweckt damit den Anschein, damit das homogene Meinungsbild der vertretenen Unternehmer darzustellen. Die IHK vertritt damit nicht die Interessen ihrer Mitglieder sondern macht sich zum Erfüllungsgehilfen von Parteipolitik und den Einzelinteressen eines halbstaatlichen Großunternehmens. Diese Parteinahme ist insbesondere unter dem Aspekt, dass sie gegen meinen Willen und zwangsweise mit meinen Mitgliederbeiträgen finanziert wird, eine Unverschämtheit. Dieser Missbrauch einer öffentlichen und mir aufgezwungenen Institution zur politischen Einflussnahme hat in meinen Augen totalitären Charakter und erinnert mehr an die Strukturen eines sozialistischen Staates als an die einer Demokratischen Marktwirtschaft. Sie übertreten damit nicht nur Ihre Kompetenzen sondern sie fügen der Demokratie und dem freien aber fairen Wettbewerb der Unternehmer großen Schaden zu!Ich fordere Sie dazu auf, in Ihren Publikationen und Veranstaltungen den Gegenpositionen zu Stuttgart 21 zumindest jenen Raum zu geben, der die Meinungsstruktur Ihrer Mitglieder abbildet und Vor- und Nachteile des Projektes sachlich zu erörtern. Da ich keine Möglichkeit habe, die IHK zu verlassen – es sei denn durch Aufgabe meines Unternehmens – erkläre ich hiermit öffentlich, dass ich mich als Mitglied von der Haltung der IHK in dieser Sache entschieden distanziere und ich entziehe Ihnen hiermit öffentlich das Mandat, in meinem Sinne und meinem Interesse als Unternehmer zu sprechen.

Mit freundlichen Grüßen,

Christian Grauer
Geschäftsführer

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Ein Stern verlässt die Erde

Ich bin kein großartiger Kenner des Pop und auch kein besonderer Michael Jackson Fan – was die Musik betrifft. Sein Tod bewegt mich zu einem Nachruf, weil ich ein Fan des Menschen Michael Jackson bin, weil er in einem keineswegs idealen Setting seinen Weg gegangen ist, in einsamer Konsequenz. Die Welt hat sein musikalisches Genie gewürdigt, seine Lebensweise aber letztlich verdammt oder zumindest belächelt. Er hat darum gekämpft, sich und der Welt die Kindheit wieder zurück zu holen. Wer den Star-Rummel, die fetischistisch gepflegten Schrullen, die private Sentimentalität und den exzentrischen Auftritt von Michael Jackson nicht aus irgend einer angewöhnten Konvention heraus als Abnormität, sondern wertfrei als Ausdruck seines Wesens betrachtet, der findet in diesem außergewöhnlichen Leben nicht nur einen exzellenten Musiker, sondern einen Menschen von großer Fragilität, Zartheit und Mitleidsfähigkeit. Das ist mein ganz subjektives Bild, das ich von diesem Menschen mit mir herum trage und das mich für ihn, so wenig ich ihn eigentlich kannte, eine innige Sympathie empfinden ließ. Er hat seine Schwäche zur Stärke gemacht, er hat die Härte seiner Welt mit Weichheit bekämpft, er hat sich verletzbar gemacht, um unverletzbar zu werden, er war ein taoistischer Ritter des kampflosen Kampfes. Als solcher hatte er schon immer einen stillen Platz im Tempel meiner privaten Heroen, auch wenn mein Regal, wie ich gestehe, keine einzige CD von ihm beherbergt.

Stephan Guber

Ich bin ab sofort offizieller Stephan Guber Fan!

Vorgestern haben ich einen Vertrag unterzeichnet, der dem Künstler  Stephan Guber eine monatliche Zuwendung meinerseits sichert, und mir den Zugriff auf seine Kunstwerke im Gegenwert der Zuwendung, sowie ein paar besondere Privilegien, über die ich mehr erfahre, wenn ich demnächst mein „Starter-Kit“ erhalte, das der Künstler mir in Aussicht stellte, als ich den Vertrag anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Rathaus in Eschborn bei Frankfurt übergab. Stephan Guber finanziert sein Leben nun schon seit vielen Jahren mit diesem Modell. Ein partielles Grundeinkommen könnte man das nennen und es scheint zu funktionieren.

Das liegt allerdings nicht nur an der Originalität dieses Finanzierungsmodells, sondern schlicht an der Qualität seiner Arbeit. Sein thematischer Grundstrom ist „das Rätselhafte“, sein Material ist Holz, Feuer, Bienenwachs und andere urtypische Naturmaterialien. Seine schlanken, schüchtern-heroischen Holzplastiken arbeitet er unter anderem mit der Motorsäge aus mannshohen Eichen-Spaltlingen heraus. Mit dem Flammenwerfer werden die Figuren in ihr eigenes Kohlekleid gehüllt, das dann im Gesicht wieder teilweise abgeschliffen wird, so dass das Holz hervorleuchtet. So entstehen geheimnisvolle Figuren, düster und leuchtend zugleich, wie traumwandelnd eine Verheißung flüsternd.

Auch in den Bildern – auf Holz gebrachtes Bienenwachs, Pollen, Kohle und anderes – spürt man, wie der Künstler dem Material eine Geschichte abringt. Immer versucht, nichts aufzuzwingen sondern die Formen entstehen zu lassen, aber stets aufmerksam kontrollierend, um nicht Beliebigkeit entstehen zu lassen. Auch die Bilder bleiben in jenem instabilen Gleichgewicht zwischen Offenbarung und Verhüllung, das unsere ästhetische Phantasie herausfordert und uns jenen Dialog fühlen lässt, in dem der Künstler mit seinem Werk stand.

Selten habe ich den Eindruck, so authentisch und intim durch das Werk ins Innere des Künstlers zu blicken. Man erlebt im Betrachten mit, wie der Künstler der Form nachspürt. Das Rätselhafte, das Geheimnisvolle, dieses Paradox aus Unsichtbarkeit und Verlockung, dieses Wechselspiel aus Vorenthaltung und sich Zeigen, ist das Urbild von Dialog und Kommunikation und die eigentliche Erotik der Begegnung. Meisterhaft ist die unprätentiöse Ästhetik, mit der Guber diese Urgesten so faszinierend in Szene setzt, dass man den Blick nicht mehr abwenden kann. Und am Ende sind seine Werke eines vor allen anderen Dingen: außergewöhnlich schön!

Mehr Info:  www.stephan-guber.de
Titelbild: Stephan Guber: Ausschnitte aus „das Paradies“

Das Grundeinkommen ist da!

Endlich hat die Bundesregierung reagiert! Nachdem in einer Petition über 50.000 Bürger das Grundeinkommen gefordert haben kann man es ab sofort bei der Bundesagentur für Einkommen &#160;<a href="http://www.bundesagentur-fuer-einkommen.de/"><img src="http://www.schachtelhalm.net/s9y/uploads/linkicon.jpg" alt="External Link" title="Link to: http://www.bundesagentur-fuer-einkommen.de/" border="0">online beantragen</a> . Weitere Informationen sind auf der &#160;<a href="http://www.bundesagentur-fuer-einkommen.de/"><img src="http://www.schachtelhalm.net/s9y/uploads/linkicon.jpg" alt="External Link" title="Link to: http://www.bundesagentur-fuer-einkommen.de/" border="0">Website der Bundesagentur</a> zu finden.